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Schwäbische Zeitung vom 27.07.2016

99 junge Lehrer sagen dem Seminar ade

Trotz vieler Hindernisse haben die Absolventen die 18 Monate gut überstanden

Freuen sich über ihren Abschluss – und sind stolz: die 99 Absolventen des Kurses 35 vom staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren. 

Meckenbeuren sz „Genießen Sie heute Abend den Höhepunkt und das Ziel einer langen Ausbildung“,hat die stellvertretende Seminarleiterin Anna Pinzger vom staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren die 99 Absolventen des Kurses 35 begrüßt. Es seien arbeitsreiche, lehrreiche, spannende und auch schöne Jahre gewesen.

Die beiden Gruppensprecherinnen des Kurses 35, Debora Schiwick und Sina Beckert, bestätigten dies in ihrer Abschiedsrede. „Wir sind am Ende unserer Ausbildung angekommen und stehen nun am Anfang unseres Berufslebens.“ Trotz vieler Hindernisse habe man die 18 Monate gut überstanden, aus manchen Leidensgenossen seien Freunde, aus Vorgesetzten Ansprechpartner geworden. „Nehmen sie es uns nicht übel, wenn wir uns heute freuen, wenn die Zeit der Lehrproben und Prüfungen vorbei ist“, so die beiden mit einem erfreulich ehrlichen kritischen Unterton bezüglich mancher Erfahrungen mit Mentoren und Prüfern.

Der Dank der beiden Sprecherinnen galt Direktor Karl Handschuh und seiner Stellvertreterin Anna Pinzger und allen Ausbildern. „Danke für die gelungene Starthilfe in unseren Beruf als Lehrer.“ Wie die Kinder in der Schule die Referendare sehen, zeigte das Forum des Kurses in einem humorvollen Filmbeitrag. „Wenn ein Referendar in der Schule ist, dann hat er immer einen dabei, der auf ihn aufpasst“, hieß es hier beispielsweise.

Übergang klug bewältigen

Seminardirektor Karl Handschuh gratulierte zu Beginn seiner Rede auch im Namen seiner Kollegen zum bestandenen Abschluss. „Nun werden sie erstmals ohne weitere Betreuung ganz auf eigenen Beinen stehen, tatsächlich alles selbst verantworten und vielleicht bald andere Kolleginnen und Kollegen ausbilden und auf deren Prüfungen vorbereiten.“ Er wünschte allen, diese Phase des Überganges „klug und gut zu bewältigen“. Einen weiteren wichtigen Rat gab er den jungen Lehrern mit auf den Weg: „Entwickeln Sie ihre Fachlichkeit weiter, aber vergessen Sie dabei nicht, dass sie in erster Linie Pädagogin oder Pädagoge sind; dass junge Menschen von ihnen mehr erwarten dürfen als Ausbildung, nämlich Bildung. Und Bildungsarbeit braucht Beziehung.“

Für ihr besonderes Engagement im Seminar überreichte Direktor Handschuh Mareike Bosch und Lukas Wachter einen Preis. Nach dem eigentlichen Highlight des Abends, der Zeugnisübergabe, fand die Feier ihren Ausklang bei einem leckeren Buffet, Tanz und vielen guten Gesprächen. Für den musikalischen Rahmen der Verabschiedungsfeier sorgten eine Gruppe Referendare des Folgekurses unter Leitung von Thomas Locher sowie Stefan Gerber und Jochen Stuppi am Klavier.

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Südkurier ONLINE vom vom 06.07.2016

„Biedermann ohne Biedermeier“

Theaterpädagogischer Ausbildungskurs am Seminar Meckenbeuren spielt „Biedermann und die Brandstifter“ und holt Max Frischs berühmtestes Stück in die Gegenwart
von Harald Ruppert


Schmitz (auf dem Sofa) spielt auf den Unzulänglichkeiten der beiden
Biedermänner (Lukas Wachter, Oliver Dentler) geradezu Klavier.
Bild: Rüdiger Schall

Biedermann ohne Biedermeier lautet ein Motto, das Jürgen Mack vom dreiköpfigen Regieteam dieser Inszenierung voranstellte. Das bedeutet nicht nur, dass das Bühnenbild sozusagen „stylisch“ ausfällt – es zeigt das schnörkellose und völlig austauschbare Wohnzimmer eines modernen Jedermanns – sondern es bedeutet auch, dass man Frischs Stück vom geistigen Bezug auf das Dritte Reich ablöst. Denn wenn das „Lehrstück ohne Lehre“ sich darauf konzentriert, vor einer Wiederholung der Barbarei von gestern zu warnen, schließt es die Gegenwart aus und geht am Publikum vorbei.

Brexit und Flüchtlingskrise
Diesen Fehler macht der Theaterpädagogische Ausbildungskurs des Seminars Meckenbeuren nicht: Die Krisen unserer Gegenwart branden gleich zu Beginn durch den Saal, als Biedermann widerwillig Zeitung liest: „Das Mittelmeer darf nicht zu einem riesigen Friedhof werden!“ – „51,9 Prozent der Briten stimmten für den Brexit“. Diese und andere Schlagzeilen ruft der Chor durcheinander, wird lauter, bis Biedermann die Zeitung hinwirft: „Ich habe es satt!“ Und damit hängt das Publikum auch schon am Haken: Da ist einer überfordert, der in Frieden leben will. Aber das geht nur, wenn man die Realität verdrängt und sie sich schönredet. Kennt man das nicht von sich selbst?

Der Chor macht sich verdächtig

Es bleibt nicht bei einer Aufzählung der Krisen von heute. Das Stück wird auf gründlichere Weise in die Welt der Gegenwart versetzt – indem sich die Rolle des Chors verschiebt. Bei Max Frisch ist der Chor eine moralisch einwandfreie Riege von Feuerwehrleuten, die Biedermann beständig vor jenen Brandstiftern unter seinem Dach warnt, welchen er am Schluss trotzdem die Streichhölzer aushändigt, mit denen sie die Stadt niederbrennen. In Meckenbeuren dagegen hält sich der Chor im Großen und Ganzen zwar an Frischs Text, aber er agiert auch Hand in Hand mit den Brandstiftern: Schmitz (Tobias Schill), einer der Schergen, schlägt das Xylophon an und gibt damit den Ton vor, in dem der Chor seine Warnungen sprechsingt – während der Brandstifter eine hübsche Improvisation drunterlegt. Ein merkwürdiges „Dreamteam“!
„Die beste und sicherste Tarnung, finden wir, ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.“ So sprechen die Brandstifter frei heraus und sind also im Grunde ehrliche Häute. Der Chor dagegen weckt unterschwellig Misstrauen, nicht nur wegen des gemeinsame Liedchens mit dem Brandstifter. Hinter der Bücherwand verstecken sich die Chormitglieder, sie lugen aus Türspalten hervor, und wahrscheinlich würden sie sich auch für den Großen Lauschangriff durchs Datenkabel zwängen. Die heutigen Warner in der Wüste treiben ein undurchsichtiges Spiel, bei dem sie die Gefahren vor den Karren eigenen Interessen spannen. Was richtet man an, indem man auf sie hört?
Identitätsproblem hat ausgespielt
„Ich ist ein Anderer“, sagte Rimbaud, aber wirklich eingelöst haben wir den Satz erst heute. Das zeigt gerade ein Blick auf Max Frisch: Seine Romane – „Stiller“, „Mein Name sei Gantenbein“, „Blaubart“ – ringen um Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“. Inzwischen hat sich die Relevanz der Identitätsfrage erledigt. Sie wurde in den Wellnessbereich abgedrängt. Wer Antwort will, meditiert fünf Minuten und tut sich damit etwas Gutes. Gesellschaftsbestimmend ist nicht mehr die Selbstfindung, sondern die Selbsterfindung in Form der Darstellung: Das Ich ist die nie sich ergebende Summe verschiedener Rollen; nicht als Problem, sondern als Normalzustand. Warum auch nicht, wenn Realitäten virtuell sind, beliebig wandelbar und letztlich nicht vorhanden?
Biedermann im Doppelpack
Biedermann (Lukas Wachter, Oliver Dentler) steht denn auch nicht nur einmal auf der Bühne, sondern in doppelter Ausfertigung: Als hilflos schwäbelnder Paniker und als herablassender Erfolgsmensch mit gut abgehangener Arroganz. Ihm zur Seite steht seine Frau (Huilèn Ubilla Opazo, Maike Anzenhofer, Deborah Schiwig), und das sogar gleich dreimal: als schwäbische Hausfrau, als schick-verschrägte Karrierebegleiterin ihres gemachten Mannes und schließlich als Geschäftsfrau im Hosenanzug, die an Repräsentation und Selbstdarstellung gewohnt ist. Durch diese unterschiedlichen Charakterisierungen wird die Inszenierung auf positive Weise quecksilbrig. Sie spricht mit immer wieder neuem Zungenschlag und erhält insbesondere durch den schwäbischen Biedermann ein erzkomödiantisches Element: Entsetzt rast er über den Bühnenraum, redet sich in Rage, beschwichtigt sich, stößt leere Drohungen aus, die längst als Brandstifter Erkannten vor die Tür zu setzen – und knickt doch wieder ein. Spiegelfechtereien eines Mannes, der weiterhin in Ruhe leben will, wo sprichwörtlich schon die Bude brennt.
Die AfD bleibt vor der Tür
Es hätte nahe gelegen, die Brandstifter der politischen Lage anzugleichen, sie zu geistigen Zündlern im Stil der AfD zu machen – aber das Regieteam Jürgen Mack, Jochen Stuppi und Katja Fillmann verkneifen sich solche Festlegungen. Stattdessen wird anschaulich gemacht, wie die Brandstifter ihren Einfluss auf Biedermann ausdehnen: Auf der einen Seite Schmitz, der die im Stillen gehegten Befürchtungen Biedermanns und seiner Frau ahnt und sie offen ausspricht – wodurch seinen „Gastgebern“ nichts anderes übrig bleibt, als ihre Ängste abzuleugnen. Auf dreiste, weil offensichtliche Weise spielt Schmitz auf der Klaviatur von Biedermanns Unzulänglichkeiten, während sein Kumpan Eisenring (im Duo: Dominik Dornberger, Linda Schäfer) schlichter gestrickt ist und Biedermann das beruhigende Gefühl vermittelt, die Lage im Griff zu haben.
Die Idee, den Chor immer wieder unters sitzende Publikum zu mischen, bleibt zwar ein harmloser Versuch, die Trennung zwischen Bühne und Saal aufzuheben. Hineingezogen ins Geschehen wird man als Besucher aber doch, denn im Geschehen herrscht dauernde Bewegung und die Bühne ist als Parcours teils um das Publikum herum gebaut. Spätestens, wenn die Schauspieler in der viereckigen Spielarena quer über das Publikum hinweg ihre Dialoge zurufen, fühlt man sich mittendrin. Der Speicher, auf dem die Brandstrifter Benzin, Zündschnur und Putzwolle horten, befindet sich erhöht an den Seiten und unmittelbar über den Sitzreihen. Für viele ist nicht sichtbar, was dort oben auf dem Speicher geschieht. Ihnen geht‘s wie Biedermann.
Es regnet böse Vorahnungen
Die Atmosphäre vereint Verharmlosung und Fatalismus. Einerseits hängt da ein abstraktes Bild an der Wand, das sehr an eine Brandkatastrophe erinnert; eine Art Historienmalerei der Moderne für ein abgesichertes Bürgertum, dem die Schrecken der Vergangenheit pittoresk geworden sind. Zugleich fühlt man sich im Hause Biedermann machtlos einem kommenden Unheil ausgeliefert, das in Kleinigkeiten gewittert wird: Es regnet? Warum prasseln die Tropfen dann mit dem Geräusch geschüttelter Streichholzschachteln aufs Dach? Die böse Vorahnung gleicht einer Prophezeiung, die sich selbst erfüllt. „Hand aufs Herz: Was hätten Sie denn getan, Herrgottnochmal, an meiner Stelle? Und wann?“ Biedermann stellt diese Frage dem Publikum. Nicht als einer, der um Verständnis bettelt, sondern herablassend. Ihr seid nicht besser als ich, soll das heißen. Eine Provokation, die geeignet ist, die Besucher in die Pflicht zu nehmen.

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Schwäbische zeitung vom 04.07.2016

Je­der ist Bie­der­mann oder Brand­stif­ter

15. theaterpädagogischer Ausbildungskurs überzeugt in Meckenbeuren mit Max Frischs Klassiker

Von Christel Voith

Theaterpädagogischer Ausbildungskurs spielt Max Frischs Parabel: Vergebens
suchen die Biedermanns die Brandstifter durch Anbiederung für sich zu gewinnen.
Foto: Helmut Voith

Meckenbeuren - Begeisterten Applaus hat am Wochenende der 15. theaterpädagogische Ausbildungskurs am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren für seine unter die Haut gehende Inszenierung von Max Frischs Klassiker "Biedermann und die Brandstifter" geerntet. Auch wenn die Fußball-EM am zweiten Abend für 40 Abmeldungen sorgte, sind auch da noch viele gekommen und haben das Schauspiel mit allen Sinnen genossen.

Kein Feuermelder warnt diesmal, wenn im Gleis 1 bei Gottlieb Biedermann und Frau Babette die Flammen züngeln und rotes Licht sich über Bühne und Zuschauer ergießt. Alles nur Theater? Ja, aber: Sie sind nur Platzhalter für so viele Biedermanns und so viele Brandstifter, die unsere heutige Welt bedrohen.

Wirksame Figurendoppelung

An Warnern fehlt es nicht, an unbequemen Stimmen, die man ignoriert, wegwischt. Noch mittendrin in der Gefahr, wenn schon an allen Ecken gezündelt wird, meint man, gegensteuern zu können. Vorüberlegungen, die Gesamtleiter Jürgen Mack, Co-Regisseur und Dramaturg Jochen Stuppi, Choreographin Katja Fillmann und ihr engagiertes Team fragen ließen, wie man sichtbar macht, dass es nicht nur den einen Biedermann gibt. Ist er privat ein behäbiger Typ, der das Unbequeme seiner Frau überlässt, oder ist er ein smarter Geschäftsmann, der knallhart den lästigen Kompagnon abserviert? Ist Frau Biedermann das Hausmütterchen in Lockenwicklern oder hat sie vor allem ihr Designer-Outfit im Kopf? Oder ist sie gar selbst eine tüchtige Geschäftsfrau, die dennoch gegen die Eindringlinge nicht ankommt?

In Meckenbeuren stehen sie alle auf der Bühne, dazu Mack: "Wir fanden die Figurendoppelung einfach spannend." Nahtlos gehen Oliver Dentler und Huilén Ubilla Opazo und ihre schwäbelnden Gegenspieler Lukas Wachter und Maike Anzenhofer im Spiel ineinander über, spielen einander die Bälle zu, suchen auf ihre Weise - "E bissle Vertraue muss mr doch habe" - mit Schmitz und Eisenring, pardon den Eisenrings, umzugehen. Putzmunter taucht Schmitz (Tobias Schill) auf, ein fröhlicher Typ. Abwimmeln geht nicht, schon sitzt er lässig auf der Couch, reißt das Geschehen an sich, dass die anderen bloß noch reagieren können. Auch als Eisenring auftaucht, hier zusammen mit Frau Eisenring - ein köstlich ungeniertes Paar (Dominik Dornberger und Linda Schäfer) -, als sie in aller Offenheit Kabel legen und die Zündkapsel suchen, wächst zwar das Misstrauen, doch was tun?

Keiner bringt den Rausschmiss fertig, auch nicht die Geschäftsfrau Biedermann (Deborah Schiwig), also Freundschaft schließen, zum Essen einladen? Vergeblich sieht Dienstmädchen Anna (apart Maria Dinh) das Unheil kommen, es nimmt doch den bekannten Lauf. Das, obwohl die Warner allgegenwärtig sind. In spannender Choreografie ist der Chor überall, guckt aus allen Luken, mischt sich ins Publikum, guckt auf der Bühne hinter den Regalen vor, spricht einzeln aus allen Ecken oder synchron, kreist Biedermann ein, versperrt ihm den Weg, alles vergebens - dafür umso packender für die Zuschauer. Wieder ist dem Regieteam und den 25 Spielern eine ideenreiche, kreative Umsetzung gelungen, ein Gesamtereignis aus Spiel, Choreographie, apartem Bühnenbild, stimmigen Kostümen, passender Lichtregie und Musik, das zwei Stunden lang fesselt.

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Schwäbische Zeitung vom 02.02.2016

Kinder erfolgreich zu machen - das ist unsere Sache

Erstmals Vereidigung am Doppelseminar in Kehlen - Auftakt für 150 junge Lehreranwärter


Die Referendare schwören ihren Eid. Referendare, so eine Schülererklärung im Film, 
haben „immer einen, der auf sie aufpasst“. (Foto: 
wie)

Meckenbeuren / wie
Das Seminar in Kehlen ist das einzige Doppelseminar im Regierungsbezirk Tübingen, das junge Lehrer nach ihrem ersten Staatsexamen auf den Schuldienst vorbereitet. „Das ist ein großer Vertrauensbeweis“, sagte Direktor Karl Handschuh bei der Vereidigung der Lehreranwärter in der Aula im Bildungszentrum. Solch’ Vertrauen setzt er auch in die Referendare und ruft sie auf, „Vorbild zu sein und ihre Begeisterung auf die Kinder zu übertragen“.

Mit dem Doppelseminar meint der Direktor die zusätzliche Ausbildung der Lehreranwärter für die Realschulen, die künftig auch in Kehlens Seminarräumen stattfinden wird. 96 Anwärter auf den Dienst an den Haupt-, Werkreal-, Gemeinschafts- und Realschulen sind am Montag ins Referendariat gestartet plus 54 ins Grundschulamt. Sie haben den Eid geschworen, ihr Amt „nach bestem Wissen und Gewissen auszuführen“. Darüber freuten sich auch die Kinder der Schulband „die Phantastischen Kids“ der Albrecht-Dürer-Schule. Sie hießen die Referendare in der Gemeinde willkommen und gaben gleich ein Beispiel dafür, was aus ihrer Arbeit erwachsen kann.

Paradigmenwechsel steht bevor

Bürgermeister Andreas Schmid machte die angehenden Lehrer in der Begrüßung auch auf ihre Aufgaben aufmerksam, so auf die Integration der Flüchtlinge: „Was da kommt und da ist, ist in unserer Verantwortung.“ Er sah die Chance für sie, „als Pädagoge zentrales Bindeglied zu sein, was weit über das Deutschlernen hinausgehe“. Wie wichtig ihre Aufgabe künftig sein wird, betonte er und sagte: „Es gibt nichts Schöneres, als mit ihrer Persönlichkeit die Zukunft zu gestalten – unsere Kinder.“

Was dafür geleistet werden muss, wusste Regierungsschuldirektor Ekkehard Lauk aus langer Erfahrung zu berichten. „Sie treten mit 16 000 Kollegen ihren Dienst an einer der 600 Schulen im Regierungsbezirk an und sind dabei, wenn 200 000 Schüler täglich in allen Schularten unterrichtet werden, ohne Gymnasien und berufliche Schulen“, zeigte er die Bandbreite auf, die hier zu leisten ist. Er gratulierte zum ersten Staatsexamen und zur Berufswahl überhaupt, die herausfordernd sei, verantwortungsvoll, zufriedenstellend und sinnstiftend zugleich. Die aber vor einem Paradigmenwechsel stehe, bei dem nicht mehr die Gruppen sondern jeder Einzelne im Mittelpunkt stehe.

Auch Otmar Rupp vom örtlichen Personalrat gab den jungen Lehrern Tipps, genauso wie der stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Andreas Neuer. „Ihr habt den schönsten Job“, bescheinigte er, „ihr prägt unsere Kinder fürs ganze Leben und verbringt mehr Zeit mit ihnen als wir selbst.“ Wie diese das Schulwesen so sehen, davon berichtete das „Forum 35“ vom Vorgängerkurs in einem Film, der mit Weisheiten der kleinen Schüler für viel Spaß sorgte. Und dann war es endlich soweit, dann rief Direktor Karl Handschuh, die 150 Lehreranwärterinnen und –anwärter zum Schwur auf die Verfassung auf, „um die Kinder einmal erfolgreich zu machen“. Denn das sei ihre Aufgabe.

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Das Staatliche Seminar begann die Ausbildung der Referendare vor 35 Jahren in Tettnang. 1986 kam der Umzug nach Meckenbeuren. Seit 1. Februar bildet das Seminar auch Realschullehrer aus, zusammen mit Schulen bis nach Isny und Laupheim. Noch fehlt es an personellen Ressourcen. Die Ausschreibungen aber laufen.


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Südkurier vom 02.02.2016

Nach der Eidesformel beginnt der Dienst

150 Lehramtsanwärter des neuen Doppelseminars im Bildungszentrum Buch vereidigt

Nach dem ersten Staatsexamen sind gestern 150 Lehramtsanwärter in den Vorbereitungsdienst gestartet. In einer kleinen Feierstunde in der Mensa des Bildungszentrums Buch legten die angehenden Lehrer den Eid auf die Verfassung des Landes Baden-Württemberg ab.

In den kommenden 18 Monaten werden sie an einer der 110 Ausbildungsschulen ihren Dienst leisten. 54 Referendare gehen an eine Grundschule, die übrigen 96 starten an einer Werkreal-, Haupt- oder Realschule. Sie sind damit der erste Ausbildungslehrgang des erweiterten Seminars in Meckenbeuren, das nun als Doppelseminar eine Ausbildung im Primar- und Sekundarbereich (Realschule) anbietet.

Bevor die jungen Pädagogen vor Karl Handschuh, Direktor des staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren, die Eidesformel wiederholten, wurden sie von Vertretern der Gemeinde, des Schulamtes und der Eltern herzlich willkommen geheißen. Auch ein Auftritt der Schulband der Albrecht-Dürer Grundschule, „die fantastischen Kids“, fehlte nicht.

Bürgermeister Andreas Schmid hob die Identität stiftende Bedeutung von Schule hervor und kam auch auf die aktuelle Flüchtlingskrise zu sprechen. „Sie sind ein ganz zentrales Bindeglied beim Thema Integration. Sie haben eine ganz wichtige Scharnierfunktion. Das ist weit mehr als nur Deutsch beibringen“, machte Schmid deutlich.

Mit Zahlen und Fakten begrüßte Regierungsschuldirektor Ekkehard Lauk vom Regierungspräsidium Tübingen die Referendare. So gebe es 16 000 Kollegen im Regierungsbezirk Tübingen, die an über 600 Schulen täglich 200 000 Schüler unterrichten. „Bei dieser schönen und verantwortungsvollen Aufgabe brauchen wir Ihre Unterstützung. Die Arbeit mit Kindern ist herausfordernd, zufriedenstellend und Sinn stiftend. Es nur als Job zu sehen, ist bei Weitem nicht alles“, erklärte Lauk.

Mit einem kurzen Einspielfilm, in dem Grundschüler in „Dingsda“-Manier Begriffe erläuterten, sorgte das Forum des Ausbildungskurses 35 für Heiterkeit. Für Karl Handschuh war der gestrige Tag gar „ein historischer Moment“. Schließlich sei Meckenbeuren nun das einzige Doppelseminar im gesamten Bezirk Tübingen, was er als großen Vertrauensbeweis wertet. „Ich hoffe, dass Sie das große Glück haben werden, für junge Menschen wichtig oder gar ein Vorbild zu sein“, gab er den Referendaren mit auf den Weg.


150 Lehramtsanwärter legten gestern den Eid auf die Verfassung ab. | Bild: Kerstin Schwier

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